Evidenzbasiert statt meinungsbasiert
Im Gesundheitsportal March unterscheiden wir konsequent zwischen dem, was wissenschaftlich belegt ist, und dem, was lediglich behauptet wird. Dieser Grundsatz prägt jeden Artikel, jede Produktbewertung und jeden Ratgeber, den wir veröffentlichen.
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel ist geprägt von Marketingversprechen, die häufig über die tatsächliche Studienlage hinausgehen. Hersteller zitieren gerne einzelne Studien, verschweigen aber deren Limitationen, Stichprobengröße oder die Tatsache, dass die Ergebnisse an Zellkulturen statt an Menschen gewonnen wurden. Genau hier setzen wir an.
Auf dieser Seite legen wir offen, welche wissenschaftlichen Quellen wir heranziehen, wie wir Evidenz bewerten und wo die Grenzen unserer Analysen liegen. Transparenz über unsere Methodik ist für uns keine Formalie – sie ist die Voraussetzung dafür, dass Sie unseren Bewertungen vertrauen können.
Datenbanken und Quellen, die wir nutzen
Unsere Recherche stützt sich auf anerkannte wissenschaftliche Datenbanken und Institutionen. Jede Quelle, die wir in unseren Artikeln zitieren, können Sie über die unten genannten Plattformen selbst nachvollziehen.
PubMed / MEDLINE
Die weltweit größte Datenbank für biomedizinische Fachliteratur, betrieben von der U.S. National Library of Medicine. PubMed ist unsere primäre Rechercheressource für klinische Studien, systematische Reviews und Meta-Analysen zu einzelnen Wirkstoffen. Wir bevorzugen Studien, die im Peer-Review-Verfahren geprüft und in indexierten Fachzeitschriften veröffentlicht wurden.
Cochrane Library
Die Cochrane Collaboration gilt als Goldstandard der evidenzbasierten Medizin. Cochrane Reviews fassen die gesamte verfügbare Evidenz zu einer Fragestellung systematisch zusammen und bewerten deren Qualität nach standardisierten Kriterien. Wenn ein Cochrane Review zu einem Wirkstoff vorliegt, hat dieser für uns Vorrang gegenüber Einzelstudien.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bewertet Health Claims, also gesundheitsbezogene Werbeaussagen zu Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. Die EFSA-Gutachten sind für uns maßgeblich, wenn es um die Frage geht, ob ein Hersteller eine bestimmte Wirkung überhaupt bewerben darf.
BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung)
Das BfR ist die deutsche Bundesbehörde für die wissenschaftliche Risikobewertung von Stoffen in Lebensmitteln, einschließlich Nahrungsergänzungsmitteln. Ihre Höchstmengenempfehlungen und Risikobewertungen fließen direkt in unsere Sicherheitsbewertung ein.
Examine.com
Die größte unabhängige Plattform für Supplement-Forschung. Examine fasst die Studienlage zu über 400 Wirkstoffen zusammen, bewertet die Evidenzstärke und aktualisiert die Einträge laufend. Wir nutzen Examine als ergänzende Referenz, insbesondere für Dosierungsempfehlungen.
DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung)
Die DGE legt die offiziellen Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr in Deutschland fest. Ihre Empfehlungen sind für uns der Maßstab, wenn es um die Beurteilung von Dosierungen in Vitamin- und Mineralstoffpräparaten geht.
Wie wir wissenschaftliche Evidenz bewerten
Nicht jede Studie ist gleich aussagekräftig. Eine Meta-Analyse, die dutzende Einzelstudien zusammenfasst, hat eine höhere Beweiskraft als ein einzelner Laborversuch an Zellkulturen. Deshalb ordnen wir jede Evidenz in eine fünfstufige Hierarchie ein, die in der akademischen Medizin etabliert ist.
↑ Zunehmende Evidenzstärke
Stufe 1 – Höchste Evidenz
Systematische Reviews & Meta-Analysen: Zusammenfassungen vieler Studien mit statistischer Gesamtauswertung. Höchste Aussagekraft, da individuelle Studienschwächen durch die Masse ausgeglichen werden.
Stufe 2 – Hohe Evidenz
Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs): Goldstandard der Einzelstudie: Teilnehmer werden zufällig der Wirkstoff- oder Placebogruppe zugeordnet. Doppelblind durchgeführt, lässt sich eine kausale Wirkung ableiten.
Stufe 3 – Mittlere Evidenz
Beobachtungsstudien (Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien): Korrelationen werden beobachtet, aber keine kausalen Zusammenhänge bewiesen. Nützlich als Hinweis, aber nicht als Beweis.
Stufe 4 – Niedrige Evidenz
Fallberichte und Expertenmeinungen: Einzelbeobachtungen oder fachliche Einschätzungen ohne systematische Datengrundlage. Können Hypothesen generieren, aber keine Wirksamkeit belegen.
Stufe 5 – Niedrigste Evidenz
Herstellerangaben ohne unabhängige Prüfung: Eigenfinanzierte Studien, Testimonials, In-vitro-Versuche (Reagenzglas) ohne Humandaten. Wir kennzeichnen diese Evidenzstufe in unseren Bewertungen klar.
Unser Bewertungsprinzip
Wir bewerten ein Produkt stets anhand der schwächsten Evidenzstufe seiner beworbenen Wirkung. Das bedeutet: Selbst wenn ein Inhaltsstoff auf Stufe 1 belegt ist, der Hersteller aber zusätzlich eine Wirkung bewirbt, die nur durch Stufe-5-Quellen gestützt wird, weisen wir in unserer Bewertung klar darauf hin.
Dieses konservative Prinzip schützt unsere Leser davor, Kaufentscheidungen auf Grundlage übertriebener Werbeversprechen zu treffen. Wir machen in jedem Testbericht transparent, auf welcher Evidenzstufe die einzelnen Wirkversprechen des Herstellers stehen.
Was wir nicht leisten können
Transparenz bedeutet auch, offen über die Grenzen unserer Arbeit zu sprechen. So umfassend unsere Analysen sind – es gibt klare Einschränkungen, die wir nicht verschweigen möchten:
Wir führen keine eigenen klinischen Studien durch. Unsere Bewertungen basieren auf der Auswertung vorhandener Fachliteratur, nicht auf eigenständiger Laborforschung. Wenn wir ein Produkt als „wirksam“ einstufen, beziehen wir uns auf die veröffentlichte Studienlage zu den enthaltenen Wirkstoffen – nicht auf eine Studie, die wir selbst durchgeführt haben.
Unsere Praxistests sind persönliche Erfahrungsberichte. Sie spiegeln die subjektive Wahrnehmung unserer Tester wider und ersetzen keine kontrollierte wissenschaftliche Untersuchung. Individuelle Ergebnisse können erheblich abweichen, da Faktoren wie Ernährung, Stoffwechsel, Medikamenteneinnahme und Lebensstil eine Rolle spielen.
Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel. Sie unterliegen in der EU nicht denselben Zulassungsverfahren wie Medikamente und dürfen keine therapeutischen Wirkungen beanspruchen. Unsere Bewertungen sind daher keine Heilversprechen und ersetzen zu keinem Zeitpunkt die Diagnose oder Behandlung durch medizinisches Fachpersonal.
Die Studienlage ändert sich fortlaufend. Eine Bewertung, die heute auf dem aktuellen Stand ist, kann durch neue Forschungsergebnisse morgen überholt sein. Wir aktualisieren unsere Inhalte regelmäßig, können aber keine Echtzeit-Aktualisierung garantieren.
Wir empfehlen bei gesundheitlichen Beschwerden immer die Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker. Unsere Inhalte dienen der Information, nicht der Selbstmedikation.
Laufende Weiterbildung unseres Teams
Wissenschaft steht nicht still – und wir auch nicht. Unser Redaktionsteam bildet sich kontinuierlich fort, um mit der aktuellen Forschung Schritt zu halten und neue Bewertungsmethoden zu integrieren.
Zu unseren regelmäßigen Weiterbildungsmaßnahmen gehören unter anderem die Teilnahme an Fachtagungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Online-Fortbildungen der Cochrane Foundation zu systematischen Reviewmethoden, Seminare zum europäischen Lebensmittel- und Nahrungsergänzungsmittelrecht sowie die laufende Lektüre aktueller Fachpublikationen in indexierten Journals.
Darüber hinaus nehmen wir an interdisziplinären Workshops zur Bewertung von Gesundheitsinformationen teil und pflegen den fachlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus Pharmazie, Ernährungswissenschaft und Gesundheitsjournalismus.
Dieses Engagement ist für uns keine Pflichtübung, sondern Ausdruck unseres Qualitätsanspruchs: Nur wer selbst auf dem neuesten Stand ist, kann anderen zuverlässige Orientierung bieten.
Unsere Methodik in der Praxis
Sie möchten wissen, wie wir diese wissenschaftlichen Grundsätze konkret in unseren Produktbewertungen umsetzen? Oder mehr über die Experten erfahren, die hinter unseren Analysen stehen?